gefunden
bei Earthmoon
Da so viele
Eltern erst über die Idee, ihr Baby ohne Windel zu
lassen, stolpern, wenn ihr Baby etwas älter ist, dachte
ich, ich teile mal unsere Geschichte in das Land der
Windellosigkeit mit Euch.
Unsere
Tochter Maya war sich immer sehr klar über ihre Vorlieben
und Abneigungen. Etwas, das sie mit aller Macht hasste,
war flach auf ihren Rücken gelegt zu werden zum Wickeln.
Dies führte mich dazu, darauf zu achten, als ich,
durch diverse Foren, auf die Möglichkeit stieß, mit
einem Baby ohne Windel zu leben. Auch wenn ich schon
immer mit der Tatsache vertraut war, dass Windeln
nicht überall genutzt werden, muss ich doch zugeben,
dass, als ich das erste Mal von Menschen in der westlichen
Welt hörte, die keine Windeln verwenden, klang es
doch sehr radikal.
Eines Tages,
als Maya 9 Monate alt war, surfte ich auf Earthmoons
Internetseite, wo sie auf sehr bodenständige Weise
beschreibt, wie man für ein windelloses baby sorgt.
Der Gedanke, Maya keine weitere Windel umzubinden,
war mir sofort sympathisch, und so waren wir auf unserem
Weg!
Maya wurde
bis zu diesem Zeitpunkt mit Stoffwindeln gewickelt
und war sich so ihrer Ausscheidungen noch ziemlich
bewusst. Sie hat oft geweint, um mich wissen zu lassen,
dass ihre Windel nass war. Sie wurde den Großteil
des Tages getragen und unsere Bindung war sehr eng.
Ich denke, dass diese Umstände sehr hilfreich waren,
um die Kommunnikation über ihre Ausscheidungen mit
ihr zu lernen.
Ich begann,
sie nur noch mit dünnen Leggings zu bekleiden und
sie zu den wahrscheinlichsten Zeiten, wie nach dem
Aufwachen, ins Bad zu bringen. Jedes Mal, wenn sie
auf den Boden pieselte, machte ich "psss", um ihr
das Geräusch beizubringen, das ich für die Kommunikation
über Pieseln benutzen wollte. Kacken war weniger verzwickt,
denn ihre Signale waren sehr deutlich: ihre Beschäftigung
zu unterbrechen, grunzen und drücken, und Kot auf
dem Boden war ein sehr seltenes Vorkommnis.
Flecken
waren nie eine Sorge für uns. Wir nutzten einen Enzymreiniger,
wenn der Teppich mal betroffen war und tauschten gerne
das Waschen von Windeln gegen das Waschen einiger
extra Hosen ein.
Ich lernte,
dass sie auch definitive Vorlieben und Abneigungen
hatte bezüglich der Position beim Pieseln. Anfangs
wollte sie nicht über das Waschbecken gehalten werden
und machte nur, wenn wir beide auf der Toilette saßen.
Jetzt wechselte sie dazu, es lieber zu mögen, über
das Waschbecken oder die Badewanne gehalten zu werden,
und sie gewöhnt sich gerade an das Sitzen auf dem
kleinen IKEA-Töpfchen. Die Sensibilität und Empfänglichkeit
aufrechtzuerhalten für ihre Kommunikation über was
sie mag und was sie nicht mag, war sehr wichtig für
uns.
Anfangs
versuchte ich, ein Ausscheidungs-Tagebuch zu führen,
aber ich fand das ein nutzloses und verwirrendes Werkzeug
für mich. Wenn ich aufhörte, nachzudenken und zu sehr
zu versuchen, war ich immer wieder überrascht und
erfreut festzustellen, dass meine Intuition ein sehr
hilfreiches Werkzeug war. Inzwischen halte ich Maya
nach Intuition und Timing zum Pieseln ab und achte
auf ihre Signale wegen des Kackens. Oft verpassen
wir ein- oder zweimal, aber das stört mich nicht und
es passiert normalerweise dann, wenn ich beschäftigt
bin.
Draußen
zu Pieseln war Maya anfangs fremd. Der Wind um ihren
vorher abgedeckten Po muss sich für sie ungewöhnlich
angefühlt haben! Durch sanftes, ohne auch nur eine
Spur von Druck oder Nötigung, Anbieten der Möglichkeit
bei wiederholten Gelegenheiten, gewöhnte sie sich
auch daran, draußen zu machen.
"Streiks"
- hatten wir auch…Das Erreichen von Entwicklungs-Meilensteinen
bewirkte sowohl einen unruhigen Schlaf als auch ein
standhaftes "Nein" (Durchdrücken des Rückens in Verbindung
mit einem sehr verärgerten Ausdruck in Mayas Gesicht)
zum Pieseln. Ich habe ihre Wahl respektiert und mich
selbst daran erinnert, dass ich die Windellosigkeit
vor allem als Service Maya gegenüber anwendete. Es
gibt natürlich eine Menge anderer Vorteile, aber die
Konzentration auf Mayas Bedürfnisse und Wünsche hielt
mich davon ab, zu zielorientiert zu werden. Die Streiks
haben nie lang gedauert, aber ich muss zugeben, dass
der erste mich sehr verärgerte. Ich dachte, Maya hatte
aufgehört, das Abgehaltenwerden zu mögen, und die
Rückkehr zu Windeln schien mir ein fürchterliches
Schicksal. Nicht für mich, aber für sie. Da wir so
lange keine Windeln genutzt hatten, um ihr Pipi und
A-A aufzufangen, schien mir diese Gewohnheit nun sehr
unerfreulich.
Die Windellosigkeit
nachts war das letzte Puzzleteil für uns. Anfangs
reagierte Maya mit Schreien darauf, nachts über einen
Topf gehalten oder zur Toilette getragen zu werden.
Ich hörte wieder für eine Weile damit auf und versuchte
nur gelegentlich, sie nachts pieseln zu lassen. In
der Zwischenzeit trug sie eine Windel nachts (sie
ist so ein Nacht-Schlangemensch, dass es ohne Windel
unmöglich ist, das Bett für den Rest von uns trocken
zu halten. Da ich weiter immer aufwachte, wenn sie
unruhig wurde und dann pieselte, wechselte ich sofort
die Windel und langsam gewöhnte sich Maya daran, aufzuwachen,
um im Badezimmer zu Pieseln und dann eifrig nach Stillen
zu verlangen. So hat sich das nächtliche Aufwachen
zu etwas Erfreulichem entwickelt verglichen mit dem
ohne guten Grund ins Badezimmer getragen zu werden,
um zu pieseln. Alles in allem, es dauerte weiniger
als einen Monat für uns alle, uns daran zu gewöhnen
und Windeln nun komplett wegzulassen.
Als ich
diese Geschichte schrieb, saß Maya, nun 13 Monate
alt, an meiner Seite auf ihrem blauen Töpfchen. Als
sie fertig war, stand sie auf, drehte sich um, um
die Früchte ihrer Arbeit ausführlich zu betrachten
und sagte fröhlich "Hey!". Was für ein Unterschied
zu ihrem Bruder, der mit 3 Jahren immer noch in einer
verkackten Windel rumlief und sich nicht frisch wickeln
ließ!
Die Reaktionen
von Leuten, die uns zuschauten oder davon hörten,
dass wir uns um die Ausscheidungsbedürfnisse unseres
Kindes kümmerten, variierten von Bewunderung bis zu
Feindseligkeit. Ich bin sehr offen in dem, was wir
tun und bestrebt, jede Anfeindung als das Ergebnis
von Uninformiertheit oder tiefsitzendem Schuldgefühl
zu betrachten. Am meisten bin ich dankbar für diejenigen,
die sich die Zeit genommen haben, Informationen über
diese wundervolle und natürliche Methode zu verbreiten.
Für Maya, die ein sehr intensives Kind ist, und mich
war das ein weiteres Band, das uns zusammenbindet
und dazu dient, uns näher aneinander zu bringen. Ich
bin so glücklich, dass ich das für und zusammen mit
meinem Kind tun kann und hoffe, dass sie eines Tages
dasselbe für ihre Kinder tut.
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