von
Nino B.
nach Miklitz, Ingrid: "Der Waldkindergarten
- Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes"
"In
den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man
jahrelang im Moos liegen könnte." (Franz Kafka)
Ähnlich
wie es sich bei Franz Kafka bei den Wäldern verhält,
kann man auch zum AP stehen. Konzentriert man es in
einer Aussage, so besteht das AP aus der andauernden
Suche nach einer Erziehung im Einklang mit den Bedürfnissen,
Sehnsüchten und Fähigkeiten unserer Kinder.
Wie wir dies bei unseren Babys und Kleinkindern berücksichtigen
(können), ist Gegenstand vieler Bücher, Zeitschriften
und Internetseiten. Konzepte aber, die über dieses
Alter hinaus dem Geist des AP gerecht werden - auch
über den familiären Rahmen hinaus - stehen dagegen
seltener im Blickpunkt.
Im Folgenden soll das Konzept der Waldkindergärten
vorgestellt und beschrieben werden, um zu verdeutlichen,
dass dies eine von vielen Möglichkeiten ist, unseren
Kindern über das angesprochene Alter hinaus die Erziehung
zu bieten, die wir für richtig halten.
Eckpunkte
des Konzeptes
-
Förderung der Motorik durch natürliche, differenzierte,
lustvolle Bewegungsanlässe und -möglichkeiten:
Die Möglichkeit, sich im Freien ohne Zeitdruck und
Einengung zu bewegen, weiß jeder aus seiner eigenen
Kindheit zu schätzen. Der Waldkindergarten bietet
den Kindern durch eine Vielzahl von Anlässen den Freiraum,
ihre Kräfte auszuprobieren, zu hüpfen, zu klettern,
zu springen, zu balancieren und zu kriechen. Kurz
gesagt: alles, was das gesunde Wachstum fördert.
- Erleben der jahreszeitlichen Rhythmen und Naturerscheinungen:
Kinder können die Jahreszeiten in ihrer ganzen Ausprägung
erleben. Sie sehen, wie im Frühjahr ein Ruck durch
die Natur geht und alles von Neuem entsteht; beobachten
wie der Sommer eine Fülle von neuem Leben gebiert;
stellen fest, dass im Herbst alles vergeht und bedauern,
dass im Winter die Natur so kahl und tot wirkt. Die
Kinder beobachten und bemerken Veränderungen und fragen
nach - hinterfragen sie. Oftmals erst Wochen nach
der eigentlichen Beobachtung.
- Förderung der Sinneswahrnehmung durch Primärerfahrungen:
Wie fühlt sich eine Birke an, wie eine Eiche? Wonach
riecht modriges Holz, wonach frisch geschnittenes?
Woran erkenne ich den Gesang des Eichelhäher oder
den der Drossel? Wie schmeckt Sauerampfer, wie Walderdbeere?
Und was sehen wir auf einer Wiese, was im Wald? Kinder
nehmen anders auf als Erwachsene. Sie müssen zunächst
erfahren, bevor sie Erklärungen aufnehmen können.
Weniger ist deshalb mehr. Nicht zuviel erklären, viel
wichtiger ist es, den Kindern Zeit zum Beobachten
und Fragen zu geben. Diese Grundhaltung nehmen sie
dann mit in die Schule.
- Möglichkeit, die Grenzen der eigenen Körperlichkeit
zu erfahren:
Die Freiheit zu haben, die eigenen Grenzen zu erkunden
und auch zu überschreiten - letztendlich auch, sich
wehtun zu dürfen - bietet den Kindern die Chance,
Sicherheit und Selbstbewusstsein zu erlangen. Dies
beeinflusst nicht nur die Grundeinstellung zum Leben,
sondern schafft auch ein stabiles Fundament, um auch
mit psychischen Belastungs- und Stresssituationen
besser umgehen zu können (z.B. Klassenarbeit).
- Erfahrung von Stille und Sensibilisierung für
das gesprochene Wort:
Stille ist in der heutigen zeit ein seltenes und wertvolles
Gut geworden. Das Hin- und vor allem Zuhören-Können,
die Fähigkeit, differenzierteste Laute wahrzunehmen,
ist in unserer Zeit der Reizüberflutung die Grundlage
für innere Ruhe, Wohlbefinden und Konzentrationsfähigkeit.
All
diese Erfahrungen ergänzen und erweitern das Konzept
des AP, füllen es aus. Die besonderen Möglichkeiten
des Waldkindergartens geben unseren Kindern die Gelegenheit,
ihre Kindergartenzeit im Sinne des AP zu erleben,
ihre Grenzen zu erforschen, ohne durch - zumeist gut
gemeinte Ratschläge der Erzieherinnen der Regelkindergärten,
wie etwa:" Klettere da nicht rauf, das ist zu hoch!"
oder: "Lass das, Du machst Dich doch nur schmutzig!"
- eingeschränkt zu werden.
Obwohl
sich AP im Kern eher mit den Belangen der Kleinsten
auseinandersetzt, stellen Waldkindergärten die sinnvolle
Fortführung der Ideale des AP dar. Mit Sicherheit
hängt es auch bei Waldkindergärten im Besonderen Masse
von den Erziehern ab, ob die Erziehung im Sinne von
AP weitergeführt wird. Geht man allein vom Konzept/pädagogischen
Ansatz aus, so entspricht der Waldkindergarten - in
welcher Ausprägung auch immer - meiner Meinung nach
am ehesten den durch AP verinnerlichten Idealen.
Wer
mehr über Waldkindergärten wissen will, dem kann ich
nur wärmstens das Buch von Ingrid Miklitz: "
Der Waldkindergarten - Dimensionen eines pädagogischen
Ansatzes" empfehlen.
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