Nino
Blavustyak, 29.12.2002, kurz nach einem "Ausbruch"
Es
ist nicht immer Gold was glänzt. So einfach der Satz,
so tief ist auch seine Bedeutung.
Zusammen
mit Bianka versuche ich nun seit der Geburt von Katharina
das Konzept des Attachment Parenting in seiner Gänze
und in aller Konsequenz umzusetzen.
So
sehr ich mir aber auch Mühe gebe, hin und wieder geht
mein Temperament mit mir durch und ich werfe alle
Regeln, die wir uns gesetzt haben - quasi im Kurzschluss
- über Bord und reagiere auf Katharina oder Jonathan
extrem impulsiv und zuweilen auch aggressiv. Es ist
nicht einfach, sich selbst so etwas einzugestehen,
geschweige denn anderen.
Sich
darauf zu berufen, dass es uns Männern einfach schwerer
fällt, die Beherrschung zu behalten, ist der falsche
Ansatz. Vielmehr ist es ein Kampf mit dem inneren
Schweinehund, in uns allen. Das im Berufsleben erlernte
Verhalten, beim geringsten Auftreten von Widerstand
oder "Nicht-Funktionieren" mittels Einsatz der Stimme
oder anderer Machtbeweise alles wieder ins Lot zu
rücken, funktioniert in der Familie nicht - auch wenn
wir das oftmals gerne hätten. Wir, bzw. ich vergesse
dabei, dass die Familie keine hierarchische, sondern
eine gemeinschaftliche Struktur ist. Das heißt also,
dass die in der einen Struktur verwandten Mechanismen
oder Mittel in der anderen vermutlich keine oder vielleicht
genau die entgegengesetzte Wirkung erzielen.
Kinder,
gerade im Kleinkindalter, kennen keine Strukturen,
sie sind Ich-bezogen. Daher werden sie auch nie verstehen,
welche Bedeutung das Schreien hat, wenn sie etwas
falsch gemacht haben. Viel eher werden sie verstehen,
was sie falsch gemacht haben, wenn man ihnen vor Augen
führt, was das für sie für Folgen hat. Je normaler
wir das tun, desto eher werden die Kinder auch verstehen,
was wir ihnen sagen wollen. Denn das Schreien ist
im Moment des Erlebens ein Angriff auf ihre Person,
auf die sie mit Abwehrhaltung und Trotz reagieren.
Deshalb
ist es unerlässlich, weiter an sich zu arbeiten, um
derartige "Ausbrüche" wenn nicht auszuschließen, dann
doch zumindest auf ein absolutes Minimum in den Griff
zu bekommen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass
das keine leichte Aufgabe ist, gerade, wenn man selbst
es nicht anders gelernt hat - womit ich nicht sagen
möchte, dass ich die Erziehung meiner Eltern als schlecht
empfinde.
Die
Bauernweisheit: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans
nimmer mehr." trifft den Nagel auf den Kopf. Was wir
in unserer Jugend nicht schon erlernt haben, wird
uns im "Alter" schwer zu schaffen machen. In diesem
Sinne wünsche ich allen, denen es ähnlich geht wie
mir, viel Erfolg und viel Spaß beim Beobachten der
Erfolge.
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