von
John Seabrook
(from the Nov. 8 issue of the New Yorker)
[englischer
Originaltext]
Schlafen
mit dem Baby - auf welcher Seite schlafen Sie?
Ich bin
ein Co-Schläfer. Das bedeutet, daß meine Frau und
ich mit unserem 10 Monate alten Sohn schlafen, und
wir schlafen mit ihm seit seiner Geburt. Das stellt
uns auf die falsche Seite der neuen Erlassungen der
Regierung über das Co-Schlafen, welche besagen, daß
Eltern niemals mit Kindern [in einem Bett] schlafen
sollten, die jünger als 2 Jahre sind. "Schlafen Sie
nicht mit Ihrem Baby, lassen Sie Ihr Baby nicht in
einem Erwachsenenbett schlafen ", gab Anne Brown an
- von der US Verbraucher-Sicherheits-Komission, sie
verkündete die Ergebnisse einer 8 Jahre dauernden
Studie, die von ihrem Amt gesponsored wurde, veröffentlicht
im Oktober in den Archiven der Kinderheilkunde und
Jugendmedizin. Als Co-Schläfer wunderte ich mich beim
Lesen ihrer Anmerkungen in der Zeitung; nach einer
weiteren Nacht zusammen mit dem Jungen; was hat Schlaf
mit Verbraucherprodukten zu tun? Schlaf ist eine der
geheimen Führungen, bei der Eltern sich mit ihrem
Kind mittels ihrem Mutterinstinkt verständigen. Sie
hofft auf den kommerziellen Einfluß und die staatliche
Aufsicht. Die US Verbraucher-Sicherheits-Komission
ist ein Bundesamt - aufgebaut auf den Durchschnitt
jener Interessen.
Als Vater
war ich zwiespältig gegenüber dieser Aussage. Vor
10 Monaten - am anderen dunklen Ende des Tunnels der
Schlaflosigkeit, die die junge Elternschaft bedeutet,
war ich fest gegen das Co-Schlafen. Wäre die Studie
derzeit schon vorhanden gewesen, bin ich sicher, ich
hätte sie als ein Argument in der Diskussion mit meiner
Frau, wie das Baby schlafen sollte, willkommen geheißen.
Wie viele Väter mochte ich den Gedanken nicht, mit
dem Baby zu schlafen. Seit wir sein Kinderzimmer vorbereitet
und mit C.P.S.C.-anerkannten Produkten gefüllt hatten,
dachte ich, er solle es auch nutzen. Aber ich hatte
nicht wirklich die Wahl, wo das Baby schlafen sollte.
Das Endergebnis war, daß meine Frau das Co-Schlafen
bevorzugte. Vater sein bedeutet eine Menge Verantwortlichkeiten,
aber die meisten davon sind leicht zu akzeptieren,
was schwer zu akzeptieren ist, ist die untergeordnete
Rolle bei den elterlichen Schlüßelentscheidungen.
Widerwillig anfangs, fügte ich mich dem Familienbett,
nach und nach entwickelten sich meine Ansichten. Was
diesen Kommissions-Report besonders abscheulich macht,
ist die Geneigtheit der Amerikaner dem Rat von Institutionsbehörden
zu glauben, wenn sie Eltern werden. Und Schlaf ist
die komplexeste der Aufgaben neuer Eltern. Eine 1995er
Studie im Bostoner Raum geleitet von Sara Harkness,
Charles Super, und Constance Keefer zeigte, dass Eltern
den häufiger Rat suchen wenn es um Schlaf geht, als
für jeden anderen Gesundheitsaspekt und Verhaltensthema.
Wissenschaft, Kultur und Geschlechterpolitiken spielen
eine Rolle in dieser Diskussion und es ist schwer
genug alles zu bedenken, bis man einen Standpunkt
bezieht, ganz zu schweigen von dem Schlaf dessen man
beraubt wird.
Die Wissenschaft,
auf die sich C.P.S.C.'s Erklärung gründet, ist sehr
erschüttert. Der Standpunkt der Behörde basierte auf
einer Umfrage, geleitet über einen Achtjahreszeitraum
von Dr. Suad Nakamura, die 515 US-Säuglingstodesfälle
in Elternbetten erkannte, davon 120 durch "Überliegen"
- einer der Erwachsenen rollt auf das Baby & erdrückt
es - und die anderen durch Überdecken (davon 79 Todesfälle
in Wasserbetten). Die Studie machte keinen Versuch,
die relative statistische Stichhaltigkeit dieser 515
Säuglingstode - ein Durchschnitt von 64 im Jahr -
zu den 3,9 Mio. Babies zu messen, die durchschnittlich
jährlich geboren wurden. Wenn bei der Entscheidung
darüber, wo ein Baby schlafen sollte, nur das Wohlergehen
des Babys eine Rolle spielt, ist es offensichtlich
sicherer am Rand [des Elternbetts] zu schlafen als
allein. In diesem Land starben im Jahr 1997 2705 Babies
am SIDS, weit mehr als die 515 Babies in dem Zeitraum
von 8 Jahren in Elternbetten starben. Die meisten
SIDS-Babies starben sich selbst überlassen in ihren
Betten. Eine Reihe von Studien durchgeführt von James
J. McKenna, einem biologischen Anthropologen am Notre
Dame, lieferte Hinweise, die ihn dazu veranlaßten
zu sagen, daß "Einsamkeit sich mit kindlichen Defiziten
zu einer SIDS-Risikoerhöhung verschwören kann". Es
wird angenommen, daß SIDS auftritt, wenn das Baby
in so tiefen Schlaf fällt, daß es aufhört zu atmen;
die unmittelbare Nähe von Herzschlag und Atmung der
Mutter startet das System des Babys neu. Fakt ist,
90% der Eltern schlafen mit ihren Babies. "Wenn Sie
ein Baby haben,", sagt McKenna, "schlafen Sie nahe
bei ihm!"
Wie immer
schließt sich das linke Augenlid als erstes. Es kann
gerade mal ein Blinzeln sein, aber jetzt schiebt das
zweite Augenlid unten, definitiv schwerer, als es
ein Blinzeln wäre. Die Muskeln um das Kinn entspannen
sich und der Kopf neigt sich seitlich. "Geh, Baby",
flüstere ich, "geh in den Schlaf". Aber gerade als
ich beginne, die wenigen Bewegungen, die es braucht,
um mich vom Sofa zu erheben, auszuführen und das Baby
in sein Bettchen zu legen, erschreckt er: er reißt
seine Arme hoch, seine Finger greifen angsterfüllt
in die Luft, seine Augen sind aufgerissen, er starrt
irgendein schreckliches Bild an - definitiv nicht
den zuckersüßen, farbigen Clown, den sie den "Sandmann"
nennen.
Verdammt.
Es ist
ja nicht so, daß er nicht schlafen möchte. Das Problem
ist, daß er nicht schläft, wenn wir schlafen. Mit
drei Monaten ist ein Baby ein "polyphasischer" Schläfer,
meint daß es in 6 oder 7 'Runden' während 24 Stunden
schläft, ohne zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden.
Seine Eltern sind "monophasische" Schläfer, die es
gewöhnt sind 7 oder 8 Stunden an einem Stück zu schlafen.
Mit vortrefflicher Schonungslosigkeit werden Erwachsene
gelehrt, was Schlaf bedeutet; es ist die erste große
Herausforderung aller Eltern. Schlaf ist der Beginn
von Kultur - unser erster Versuch, unsere Gewohnheiten
an unsere Kinder weiterzugeben. Ebenso ist es der
Beginn von moralischen Ansichten (ist er ein guter
Schläfer oder ein schlechter Schläfer? jeder glaubt
zu wissen, wie es richtig ist) und weiterblickend,
die eigene Fähigkeit als Eltern. Sein Schlaf oder
der Mangel dessen, ist sein Kommentar zu unserer Fähigkeit,
Zufriedenheit und Frieden zur Verfügung zu stellen;
es scheint sich in einer Weise auszudrücken, die es
in seinem Schreien, Murren und Gurren nicht tut, möglicherweise
weil Schlaf einer der wenigen Zustände ist, die wir
gemeinsam haben zu dieser Zeit. Es ist eine Universalsprache,
tiefer als Worte, die wir teilen.
Meine Frau
kommt vom Schlafzimmer herein und schwankt buchstäblich
durch den Schlafentzug. Sie lauscht dem Meckern des
Babys und weissagt, daß es ein "müder" Schrei ist
im Vergleich mit seinem "hungrigen" oder "schmerzvollen"
Schrei. Ich sage: "Er ist nicht müde, wir sind müde.
Das ist das Problem."
Sie streckt
ihre Arme nach Baby, bedeutet mir, 'gib ihn mir, ich
bring ihn ins Bett'. Ich sage: "Warte". Zu dieser
Zeit glaube ich noch daran, Kinder so früh wie möglich
in ihr eigenes Bett zu legen, damit sie lernen können,
allein zu schlafen, selbst wenn es bedeutet, ein Baby
in seinem Bettchen schreien zu lassen, bis es realisiert,
daß es artig schlafen muß. Gehäuft um uns auf dem
Sofa, auf dem wir mit dem Baby sitzen, die Elternbücher,
aus denen sich mein Argument gegen das Co-Schlafen
ableitet: Benjamin Spock's "Baby and Child Care [Baby
und Kinder Betreuung]" T. Berry Brazelton's "Touchpoints
[Berührungspunkte]" Burton L. White's "The New First
Three Years of Life [Die neuen ersten drei Jahre des
Lebens]" Arlene Eisenberg's "What to Expect the First
Year [Was im ersten Jahr zu erwarten ist]" und Penelope
Leach's "Your Baby and Child [Ihr Baby und Kind]".
Meine Schwiegermutter, die während dieser frühen Monate
bei uns lebt, wundert sich, warum wir uns um all diese
Bücher kümmern. Aber wir sind geneigter Büchern zu
trauen als Familienmitgliedern. Großmutter wird geschätzt,
damit ihre Liebe und ihre Bereitwilligkeit das schreiende
Baby beruhigt, aber ihre Methoden sind zweifelhaft,
weil sie auf Tradition und nicht auf Informationen
basieren.
Spock sagt:
"Schlafen Sie nicht mit Ihrem Baby bis zum Alter von
6 Monaten, es sei denn Sie möchten, dass es über Jahre
bei Ihnen schläft". "What to Expect [Was ist zu erwarten]"
empfiehlt, sie sich in ihren Bettchen so lange ausschreien
zu lassen, wie man selbst standhalten kann, eine Stunde
oder länger. "In our society [In unserer Gesellschaft]"
schreibt Brazelton "während der frühen Kindheit allein
schlafen zu können, ist Teil davon, eine unabhängige
Persönlichkeit zu sein". White schreibt: "Wir können
es zweifellos tun" gemeint ist das Co-Schlafen "aber
ich kann Ihnen nicht mit den Komplikationen helfen,
die diese Praxis normalerweise mit sich bringt". Sogar
Leach, die freizügigste aller Hauptexperten (und die
einzige Frau), billigt das Co-Schlafen nicht: "Sobald
Ihr Baby, sagen wir drei oder vier Monate alt ist,
ist es vernünftig, zu überprüfen, ob es manchmal auch
allein schlafen kann, damit es weiß, wie das geht."
Leach betont auch, daß man, wenn das Kind die Nähe
zum Einschlafen braucht, ins Bett gehen muß, wenn
das Kind ins Bett geht; oder man es auf dem Schoß
oder neben sich auf dem Sofa liegen hat, bis man sich
selbst bettfertig macht.
Klingt
vernünftig für mich, aber meine Frau war sehr mißtrauisch
gegenüber den männlichvorherrschenden Richtlinienmachern
der Kindererziehung. Sie nahm diesen Autoritäten den
Versuch übel, sie an ihrem intuitiven Tun, das Kind
auch im Bett während des Schlafens zu betreuen, hindern
zu wollen. Für sie ist diese Synode von Experten,
die ständig am Kaffeetisch sitzen und Versammlungen
abhalten, ein Fall aus dem Lehrbuch "Hegemonie". Die
Co-Schläfer haben ebenfalls Texte und wir besitzen
die meisten davon: "The Family Bed [Das Familienbett]"
von Betty Friedan - wie der Manifesto geschrieben
von Tine Thevenin, ein "Stay at home, Mom [bleib-zuhause-Mama]"
in den 80ern (in der Aufmachung des Werkes "Western
Society is wrong in putting a social taboo on children
sleeping with their parents [die Westliche Gesellschaft
liegt falsch mit der sozialen Tabuisierung, daß Kinder
bei ihren Eltern schlafen]" von Jane Goodall); "The
Womanly Art of Breastfeeding [die weibliche Kunst
des Stillens]" der LaLecheLiga International, die
das Stillen befürwortet und ebenfalls eine Brutstätte
für das Co-Schlafen ist; und "Nightparenting" von
Dr. William Sears, einem Kinderarzt aus San Clemente.
Sears, ein Christ, unterstützt die Art dieser Schlafgegebenheit,
entgegen den meisten christlichen Schreibern über
Kindererziehung, ist ein faszinierender Charakter;
gemeinsam mit seiner Frau Martha Sears einer LaLecheLigaVorsitzenden,
hob er 8 Kinder in einem kingsize Bett an. Sein Buch
ist überzeugend, wenn er das Co-Schlafen als einen
Teil der größeren Philosophie der Bindung des Elternseins
beschreibt, eine Annäherung an die Kindererziehung,
die als Schwerpunkt die Einheit Familie anstelle der
Unabhängigkeit des Kindes als entscheidendes Ziel
der Elternschaft hat. Aber es gibt ein bestimmtes
Kapitel in Sears' Schreiben, das meine Nach-60er-Vernunft
zerreibt; z.B. benutzt er vor allem keine Wörter wie
"hormonell", um seine Theorie zu beschreiben, wie
das gemeinsame Schlafen von Mutter und Kind ihre Drüsensysteme
synchronisiert.
Nicht eine,
der Anti-Co-Schläferauthoritäten kann irgendeinen
wirklich unwiderlegbaren Grund dafür nennen, daß Kinder
sich selbst überlassen sein sollten , abgesehen von
der Bequemlichkeit der Eltern. Die meisten geben Lippenbekenntnisse
zu der Vorstellung ab, warum es so wichtig für Babies
ist, allein zu schlafen um sich in Richtung "Unabhängigkeit"
zu entwickeln. Aber Unabhängigkeit ist ein berüchtigt
glattes Konzept: bedeutet es Autonomie, Selbstvertrauen
oder Einzelhaft? Und, wie Co-Schlafbefürworter unterstreichen,
allein schlafen kann bloß die Abhängigkeit von den
Eltern auf Objekte wie die Bettchenschnuller, ....,
Teddybären und Teletubbies umlenken.
Gibt es
irgend einen wissenschaftlichen Beweis dafür, daß
der Schlafplatz eines Babys sich auf seine Zukunft
auswirkt? Eine 1996er Studie der Universität von Michigan
zeigte, daß Kinder die allein schlafen nachts weniger
oft aufwachen als Kinder, die bei ihren Eltern schlafen.
Andere Studien lassen darauf schließen, daß die Schlafzyklen
von Mutter und Kind sich aufeinander abstimmen, wenn
sie gemeinsam schlafen, was daher kommt, daß sie einander
aufwecken: sie sind beide im Leichtschlaf während
der ganzen Zeit. Das ist zwar sehr interessant, aber
es beantwortet mir nicht die Frage, die ich als Eltern
wirklich beantwortet haben will, die ist: Wie wirken
sich die frühen Schlafgewohnheiten meines Kindes sich
auf die Wachgewohnheiten als Erwachsener aus - ob
er immer gut schlafen können wird oder immer pünktlich
zur Arbeit kommen wird, oder seine Termine wahren
wird - wenn wir ihm die Regeln des Schlafens nicht
jetzt beibringen.
Meiner
Frau das hellwache Baby gebend, sage ich: "Gut, was
ist, wenn er mit fünf Jahren immer noch bei uns schläft?"
Und sie
sagt: "Und wenn er's tut? Ich schlief bei meinen Eltern
bis ich wenigstens fünf war."
Was? Das
ist eine Offenbarung: Ich habe eine Co-Schläferin
geheiratet. Ich komme nicht von Co-Schläfern. Ich
wurde in mein Bettchen gelegt und konnte mich mehr
oder weniger ausschreien. Ich wollte bei meinen Eltern
im Bett schlafen, ich erinnere mich an die köstliche
Wärme und das Sicherheitsgefühl der wenigen Male,
die ich es tat. Doch mein Vater stellte klar, daß
er nicht hingerissen davon ist, mich im Bett zu haben;
mit drei Jahren wurde ich "zu alt dafür". Ich entwickelte
mich zu einem Kopfstoßer - ich ging auf allen vieren
und schlug mit der Schädeldecke heftig gegen das Kopfende.
Es war tröstlich, wie das Hören von Punkrock 16 Jahre
später. Als ich morgens Großmutter fragte, ob es stimmt,
daß sie bei ihr schlief bis sie fünf oder so war,
verneinte sie das empört. "Oh nein, das ist nicht
wahr!" rief sie. "Wir ließen alle unsere Kinder in
unser Bett, wenn sie das wollten, aber sie verließen
es alle, als sie etwa zwei waren."
Wie Großmutter
eine eindeutige Abneigung gegen das Schlafen ohne
die Kinder entdeckt, läßt mich denken, daß viel mehr
davon ausgeht, als jedermann annimmt. Die meisten
Kinderärzte mit denen ich sprach um zu berichten,
sehen mehr Co-Schlafende jetzt als zu jeder anderen
Zeit in der jüngsten Vergangenheit; manche sahen dies
als ein Teil des Trends, der zu längerer Zeit in Windeln
und zu längerem Gebrauch des Nuckels geführt hat.
Auch daß Mütter den ganzen Tag arbeiten, und nachts
die einzig längere Zeit ist, die sie mit ihren Kindern
haben. Michael Kaplan, ein Kinderpsychiater am Yale
Child Study Center, bringt es verbindend auf den Punkt:
Unter dem Deckmantel der Beruhigung der kindlichen
Angst vor dem Aufgeben der Mutter, beruhigt sie ihre
eigene Angst vor der Trennung. Alleinerziehende Mütter
sind geneigter mit ihren Babies zu schlafen als verheiratete
Mütter, sagte er mir, und er wüßte von einigen Müttern,
daßsie mit ihren Babies schlafen, wenn ihre Männer
bei der Arbeit sind, ohne es ihnen zu sagen. "Sie
sagen, 'Das ist unser Geheimnis vor Daddy'."
Wenn ich
von mir aus sage, daß ich ein Co-Schläfer zu sein,
dann bekennt die Person, mit der ich spreche, häufig
ebenfalls Co-Schläfer zu sein. Aber man muß vorsichtig
sein: Sie können durchaus nicht wissen, wie die Leute
Sie beurteilen, wenn Sie zulassen, daß sie es tun.
Es scheint, daß die Debatte wo Kinder schlafen, auch
Klassen sozialer Stellung übergreifend ist. Die weiße
Mittelschicht neigt zu der Ansicht, daß arme Menschen
und Einwanderer Co-Schlafen, während " richtige" amerikanische
Familien in unterschiedlichen Schlafzimmern schlafen,
weil sie es können. (Interessant, daß die Praktiken
unter Afro-Amerikanern etwas stigmatisiert sind; laut
einer Studie lassen 17% der weißen Amerikaner das
Co-Schlafen zu, während 75% der Afro-Amerikaner sagen,
daß sie es taten.) Es ist kein Zufall, daß sich die
Anti-Co-Schlafansicht in den 50ern mit der Explosion
an Nachkriegsschlafzimmergemeinschaften verbreitete.
Ich habe
die neueren Väter nach den Schlafordnungen gefragt,
der häufigste Grund, das Bett nicht mit dem Kind zu
teilen ist, daß sie keinen Sex mit ihren Frauen mehr
haben könnten. "Haben Sie keinen Sex, wenn Ihr Baby
mit im Raum ist, selbst dann nicht, wenn es schläft",
warnte der Boston Globe in einen Nebensatz 1997 in
einem schlafbezogenen Artikel unter der Schlagzeile
"Suggestions for Parents [Anregungen für Eltern]",
und das scheint wie ein vernünftiges Verfahren. Doch
die Praktik Co-Schlafen fordert eine Unterscheidung
zum ursprünglichen Tabu. Interessiert es ein Baby
mit 4 Monaten wirklich, ob man Sex hat, während es
im Bett ist? Wahrscheinlich schläft es währenddessen
und selbst wenn nicht, denkt es möglicherweise, daß
das spaßig ist. Und es ist spaßig (danke für die Erinnerung)
Aber dann, an einem bestimmten Punkt möchten Sie es
definitiv raushaben. An welchem Punkt ist das? Im
6. Monat? Im 10. Monat?
Vom Beginn
des Co-Schlafen bis zu ein bis zwei Jahren scheint
zu bedeuten, daß man lange darin gefangen ist; manche
Co-Schlafbefürworter richten ein spezielles "Sexzimmer"
im Hause ein. Das Schlafzimmer wurde für zwei, nicht
immer miteinander vereinbare, Funktionen gemacht,
Sex und Schlaf. (Amerikaner benutzen "zusammen schlafen"
als Beschönigung für Sex, lahmerweiser aus dem Französischen
geborgt, aber unser Gebrauch verfehlt den Reiz des
einfachen Verlockens nahe bei jemandem zu sein und
schmälert zum gemeinsamen Nickerchen.) Wie auch immer,
das Sexzimmer, obwohl eine interessante Idee für Ikea,
ist nicht wirklich durchführbar für die meisten Eltern
in New York City. Wir haben kaum genug Raum für die
Babysachen und noch viel weniger für ein "Sexzimmer".
So schliefen
wir mit dem Baby. Aber es war nicht so, daß wir einfach
sagten, "Ok, laß uns Co-Schlafen" und es dann taten.
So funktioniert das nicht. Es begann mit der Entscheidung
zu Stillen. Co-Schlafen ist wie das Kleingedruckte
am Ende des Stillvertrags. Das Baby schläft gegen
19:30 Uhr an der Brust ein und man legt es in sein
Bettchen. Vielleicht erwacht es gegen 23:30 Uhr und
der Prozeß wiederholt sich. Dann erwacht es um 2:00
morgens. Manche wirklich festgelegte Eltern fahren
bis hier damit fort, aufzustehen und ihr Baby im Schaukelstuhl
sitzend in seinem Zimmer zu füttern, aber wenn die
Eltern geteilter Meinung sind, wird die Mutter das
Baby nehmen und es mit ins Bett bringen, wo sie sich
wenigstens hinlegen und dösen kann während es ißt.
Als der Vater werden Sie der erschöpften Mutter nicht
erklären, daß sie es außerhalb des Betts füttern muß.
(Und wenn Sie es doch tun, werden Sie auch hin und
wieder aufstehen müssen, um ihm eine Flasche abgepumpte
Muttermilch zu geben.) Aber wir schliefen gut. Nach
vier Monaten Co-Schlafen begann sich die Situation
zu verschlechtern. Seine mehrphasigen Gewohnheiten
schienen sich nicht in Richtung unseres einphasigen
Schlafs zu verschieben. Stattdessen schien das Entgegengesetzte
zu geschehen: mein früher vereinheitlichter Block
des Schlafes war jetzt in zwei Teile gebrochen, aber
anders als er, konnte ich nicht so leicht wieder einschlafen,
wenn ich nach 03:00 Uhr morgens geweckt wurde; und
verbrachte den Rest der Nacht in einem Zustand zwischen
Schlaf und Wachsein, während surreale Bilder quer
durch mein unausgeruhtes Hirn trieben. Dann verkürzten
sich seine 4-Std.-Schlafphasen auf 2-Std.-Schlafphasen.
Statt bis 02:00 morgens in seinem Kinderbettchen zu
schlafen und dann in unser Bett zu kommen, kam er
schon um Mitternacht. Er schien weiter den Schlaf
zu bekommen, den er brauchte, er lernte eben nur nicht,
das auch allein zu tun. Meine Frau und ich begannen,
wie sollte es anders sein, Symptome des Schlafentzugs
zu zeigen: die brennenden Augen, das Band der Ermüdung
das sich festzieht um den Schädel; eine Empfindung
vergleichbar mit dem Gefühl immer einen Hut zu tragen;
Verärgerung über einander, über Freunde, über die
Wasserschüssel der Katze, in die ich bei einem Unfall
trat; oder die Unfähigkeit, Dinge durch Berührung
zu erkennen; was ein klassisches Zeichen für Schlafentzug
ist. In gewisser Weise wuchs eine Distanz zwischen
der Welt und uns selbst. Ging ich heute morgen raus
um die Times zu holen, oder war das gestern? Ich blicke
flüchtig auf den Wetterbericht in der oberen rechten
Ecke des Titelblatts und er sagt "Interessante Wolken".
Hmm. Interessante Wolken. Nie vorher gesehen diese
Prognose. Dann begreife ich, daß es "Erhöhte Wolken"
hieß. Aber "Interessante Wolken" machte den perfekten
Sinn.
Das Baby
weint in seinem Kinderbettchen wieder. Ich versuche,
die großen roten Zahlen der Uhr zu erkennen: 03:32
Uhr morgens. Er wacht fast unverändert innerhalb von
10 bis 15 Minuten rund um die Uhrzeit auf, um die
er geboren wurde (03:21 Uhr morgens); was mich auf
meine 'Ursprünglich-aufwach' heißende Theorie brachte:
daß er allabendlich das Trauma des groben Rausschmisses
aus der Gebärmutter wiedererlebte.
Meine Frau
holt ihn und bringt ihn ins Bett. Sie legt ihn auf
ihre Seite, wie sie es immer tut und dreht sich zu
ihm; obwohl er an manchem Morgen auch schon zwischen
uns lag. Ich liege da ... hellwach, Vaterzeit, während
Mutter Natur und ihr Baby an mich rücken, in einem
tiefen rhythmischen Band essend und Leben spendend.
Mein Hauptjob ist es, das Rollen auf meinen Sohn zu
vermeiden. (Dr. Sears deutet an, dass der Vater eine
"warme Flocke" im Bett sei, über eine Abbildung, er
fügte ein Bild, von seinem eigenen haarigen Selbst
mit einem seiner Kinder im Bett liegend, ein. Aber
ich fühle mich genau jetzt nicht so sehr wie eine
"warme Flocke".)
Mit Babies
zu schlafen ist nicht wie mit Erwachsenen zu schlafen.
Babies haben eine andere Tagesordnung wenn sie schlafen
und sie benehmen sich anders im Bett als Erwachsene.
Kleinkinder sind doppelt so häufig im REM-Schlaf -
so wird die rapid-eye-movement [schnelle-Augen-Bewegung]
Phase des Schlafs bezeichnet, die zum Träumen gehört
- wie Erwachsene. Ein 30 Wochen alter menschlicher
Fötus ist praktisch die ganze Zeit im REM-Schlaf,
Neugeborene etwa die Hälfte der Zeit, die sie schlafen.
Basierend auf Experimenten durchgeführt mit Babykaninchen
und ~katzen, welche zeigen, daß Neugeborene, bei denen
man den Rem-Schlaf verhindert, Verhaltensschwierigkeiten
als Erwachsene entwickeln, glauben Schlafexperten,
daß REM-Schlaf ein wichtige Rolle in der strukturellen
Entwicklung des Gehirns spielt. Wie der Psychiater
J. Allan Hobson es ausdrückt, "räumen Babies ihren
Verstand auf" wenn sie schlafen. Michel Jouvet, ein
französischer Schlafwissenschaftler, theoretisiert
in seinem neuen Buch "Das Paradox des Schlafs", daß
menschliche Kinder mit entscheidenden Teilen ihrer
unfertigen Gesamtheit der Gene geboren werden; und
daß "die genetische Programmierung während des Träumens
passiert". Er behauptet, daß wir alle im Wesentlichen
gleich geboren werden und die Träume der Babies dabei
helfen unbewußte Reaktionen, die die Basis der individuellen
Persönlichkeit sind, zu programmieren.
Erwachsene
im REM-Schlaf sind bewegungsunfähig, vermutlich um
zu verhindern, daß sie aus ihren Träumen heraus handeln.
Babies sind nicht bewegungsunfähig (wann genau werden
sie das?), so daß sie sich nachts sehr viel umherbewegen.
Sie zucken, winden sich, fahren Rad, murren, lächeln,
stoßen sich den Kopf, schlagen und bilden sonderbares
Halblachen: Es ist fast so, als wenn sie wach sind.
(Tatsächlich unterscheiden sich die Gehirnwellen eines
schlafenden Säuglings kaum sich von seinen Alphawellen
im Wachzustand.) All diese Aktivitäten waren nett
als das Baby noch klein war, aber jetzt wird er größer,
da ist die Anwesenheit des träumenden Babys in unserem
Bett der Erhaltung des Schlafs, den wir wirklich wollen,
nicht förderlich; welcher tief ist, oder Delta-Wellen
Schlaf: die großen langsamen Rollen, die man auf EEGs
sieht, die durch Milliarden von sofort "gezündeten"
Neuronen verursacht werden. Durch den Deltaschlaf
werden Neurotransmitter, die wichtig sind um sich
nach dem Schlafen erfrischt zu fühlen, wie wie Azetylcholin
und Serotonin, freigesetzt. Ebenso schüttet die Hirnanhangdrüse
ohne Tiefschlaf nicht so viel menschliches Wachstumshormon
aus, die die Muskeln aufbaut. Und sie wissen, was
das bedeutet: Puff Daddy (ich fand keine adäquate
Übersetzung für diesen umgangssprachlichen Ausdruck).
Der Höhepunkt
meines Schlafentzugs fiel in den Zeitraum, in den
die zweite jährliche Schlafbewußtsein-Woche fiel,
die der Versuch der Nationalen-Schlaf-Stiftung ist,
die Leute dazu zu veranlassen, Schlafentzug als Gesundheitsrisiko
ernster zu nehmen. Die Exxon Valdez Streuung, Tschernobyl
und das Bhopal-Desaster, alle entstanden durch die
Hände übermüdeter Arbeiter. Verhängnisse mit dem Auto
sind wahrscheinlicher durch Schläfrigkeit als durch
Trunkenheit am Steuer, aber weil es kein Stigma gibt,
dass beim Schlafentzug "angebracht" wird, gilt es
tatsächlich sehr oft als ein Zeichen von hartem, rechtschaffenem
Arbeiten - wenig Schuld für den schlaflosen Fahrer.
(In einer neuen Umfrage, zitiert von William C. Dement
in seinem neuen Buch, " The Promise of Sleep [Das
Verpsrechen von Schlaf]" ließen es 23% der Fahrer
zu, daß sie am Steuer einschliefen.) Menschen, die
niemals einen häufig trinkenden Piloten oder Chirurgen
tolerieren würden, begeben sich in die Hände von jemandem,
der 24 Stunden nicht geschlafen hat. Stanley Corens
schreibt in seinem neuen Buch "Sleep Thieves" [Schlafdiebe],
daß jedes Jahr mit Schlaf in Verbindung stehende Fehler
und Unfälle die USA über 56.000.000.000$ kosten; fast
25.000 Todesfälle verursachen und fast 2,5 Millionen
so schwere Verletzungen, daß lebenslange Behinderung
die Folge ist.
Aber der
Schlafentzugsethos könnte sich ändern. Man könnte
sich ein Beispiel an einem neuen Artikel des Wall
Street Journals nehmen, in dem der Gründer von Amazon.com
Jeff Bezos und der Präsident von Netscape Marc Andreessen
- zwei Erbauer der 24-Welt - stolz damit prahlen,
daß sie 8 oder mehr Stunden pro Nacht schlafen.
Montaignes
Aufzeichnung berichtet, daß die alten Römer König
Perseus von Madzedonien dadurch umbrachten, daß sie
ihn wachhielten; aber in unseren modernen Zeiten ist
von keinem Menschen bekannt, daß er an Schlafmangel
gestorben sei. 1959 blieb Peter Tripp, ein populärer
DJ von WMGM in New York, 101 Stunde in einer Zelle
auf dem Times Square wach, um die Spendengelder für
Nächstenliebe in die Höhe zu treiben. Er erlebte Wahnvorstellungen
und Paranoia, und am Ende, als ein Doktor ihn in einem
dunklen Raum untersuchte, dachte Tripp, daß der Mann
ein Totengräber sei, der ihn präpariert um ihn lebendig
zu beerdigen und floh schreiend aus dem Raum. 1965
blieb Randy Gardner, ein 17 Jahre alter Hochschulstudent
aus San Diego, 264 Stunden lang wach und nach Ansicht
Dr. Dements, der gegen Ende seiner "Wache" mit Gardner
Flipper spielte, zeigte Gardner kein halluzinogenes
Verhalten oder schädliche Wirkungen außer wirklich,
wirklich müde zu sein (und er gewann alle Spiele).
Beide, Tripp und Gardner, erholten sich von ihrem
Martyrium mit einem langen Schlaf.
Tiere jedoch
starben an Schlafmangel. In dem Klassiker "Sleep and
Wakefulness [Schlaf und Schlaflosigkeit]" berichtet
Nathaniel Kleitman klinisch über die Tötung von Welpen
durch Wachhalten (es dauerte 5 oder 6 Tage), und andere
Forscher haben erwachsene Hunde des Schlafes beraubt
bis sie starben (das dauerte 13 Tage). Aber das berühmteste
aller Schlafenentzugexperimente an Tieren wurde von
Dr. Allan Rechtschaffen, einem jetzt berühmten Schlafforscher
in Chicago durchgeführt. Er plazierte zwei Ratten,
beide an ein EEG angeschlossen, getrennt durch eine
Barriere, auf einer rotierenden, kreisförmigen Plattform.
Sobald das EEG anzeigte, daß die schlafberaubte Ratte
am Einschlafen war, kippte die Plattform und die Ratte
würde in kaltes Wasser fallen, oder in anderen Experimenten
gegen eine Wand klatschen. (Der Kontrollratte war
es erlaubt zu schlafen.) Die schlafberaubten Ratten
entwickelten Wunden an den Füssen und frassen 2 ½
soviel wie normal, aber sie verloren trotzdem Gewicht
- es war, als ob ihr hochbeschleunigter Metabolismus
sie verbrauchte. Die schlaflosen Ratten verstarben
innerhalb von 21 Tagen. Wie auch immer, umfangreiche
Autopsien deckten keine Todesursache auf. Die Ratten
starben einfach. Schließlich wurden Schlaf und Tod
- Hypnose und Thanatos - die Zwillingsbrüder in der
griechischen Mythologie sind, vereinigt im absolut
vollkommenen Moment des "Wegdriftens".
"Dr.Ferber
rettete mein Leben.", mehr als ein Elternpaar(~teil)
sagte etwas dieser Art über Dr. Richard Ferbers Theorie
über das Schlafen zu mir, und als unser Baby etwa
5 Monate alt war, war ich bereit ihnen zu glauben.
"Wir legten sie in ihr Bettchen", sagte einer meiner
Freunde zu mir, "schlossen die Tür, und mußten im
Allgemeinen uns selbst ans Bett binden, um nicht hineinzugehen.
Wenn das Schreien schließlich aufhörte, schauten wir
rein und unsere Tochter war tatsächlich eingeschlafen.
Es brauchte 2 Nächte lang, um zu funktionieren."
Zuerst
1985 veröffentlicht mit einem kleinen Druck, verkaufte
sich Ferbers "Solve Your Child's Sleep Problems [Lösen
Sie die Schlafprobleme Ihres Kindes ]" bis heute etwa
750.000 mal und aktuell werden etwa 50.000 Ausgaben
jährlich verkauft. Laut Fred Hills, Ferbers Herausgeber
bei Simon & Schuster, kaufen die Leute mehrere Exemplare,
um es an Freunde und frischgebackene Eltern weiterzugeben.
(Es ist ein "Das-mußt-Du-gelesen-haben"-Buch.) Jemand,
der bezweifelt, daß Schlaf eine hochpolitisierte Streitfrage
ist, der sollte Ferbers Namen einmal in einer Elterngruppe
fallen lassen und versuchen die polarisierte Meinung
abzumessen. Für einen überzeugten Co-Schläfer ist
Ferber der Feind, weil er die kalte Methodenlehre
in das bezaubernde und noch größtenteils unkolonisierte
Königreich Schlaf bringt - was Lewis Mumford einst
als "Technik" bezeichnete. Aber für schlaflose Eltern,
die wirklich dringend Hilfe brauchen, ist Ferber in
der Tat ein Retter.
Der berühmteste
Teil des Buchs ist ein Zunahmediagramm, das Ferbers
Schritt-für-Schritt-Methode darlegt, wie man ein Kind
dazu bringt, allein durchzuschlafen. In der ersten
Nacht legen Sie Ihr Kind in sein Bettchen und schließen
die Tür und betreten den Raum in den den nächsten
5 Minuten nicht mehr. In der zweiten Nacht warten
Sie 10 Minuten, in der dritten 15 Minuten usw., bis
Sie in der siebten Nacht 45 Minuten warten. (Das ganze
hat etwas Biblisches an sich.) Das Kind schreit, verzweifelte
Eltern stehen vor der Tür, unbedingt hinein gehen
wollend um das Schreien zu beenden - aber es nicht
tun, Ferber sagt: "bis die Zeit um ist". Unter bestimmten
Umständen können Sie hineingehen und Ihren Engel trösten
und ihn vielleicht ein bißchen tätscheln, aber selbst,
wenn das Baby so stark schreit, dass es erbricht,
sollen Sie es nicht aus dem Bettchen hochnehmen. "Machen
Sie es sauber, wechseln Sie die Bettwäsche und den
Schlafanzug, wenn nötig," schreibt Ferber, "und dann
verlassen Sie es wieder." Wenn Sie dem standhalten,
werden Sie mit einem Kind belohnt, das "Ferberisiert"
ist - z.B. das allein in seinem eigenen Bett schlafen
kann. Es klingt fast sadistisch, und jetzt ist die
Idee, dieses Problem mit einer leistungsfähigen, scharfsinnigen
Methode zu lösen, für mich sehr verlockend. Der Anklang
der "Ferberisierung" entspringt dem gleichen Platz
des amerikanischen Charakters, wie die Freude das
Auto durch " Simonisierung " vom Schmutz zu befreien,
oder Flecken sich selbst durch die "Mercurisierung"s-Trockenreinigung
selbst reinigen zu lassen - ein Glaube in die Lösung
durch Methodik, der bis in die Zeit Benjamin Franklins
zurückgeht - Einsparungstips in "Poor Richard's Almanac
[Almanach des armen Richard]"; Familien der ganzen
Welt gehen in das Zentrum für pädiatrische Schlafstörungen,
das Dr. Ferber im Bostoner Kinderkrankenhaus betreut,
auf der Suche nach Antworten auf die Schlafprobleme
ihrer Kinder. Dr. Ferber oder einer seiner älteren
Mitarbeiter sieht sich die Familie mit dem schlaflosen
Kind in einer zweistündigen Sitzung an; das Zentrum
erarbeitet für die Eltern ein Programm, die es ausprobieren
und in zwei bis vier Monaten wieder kommen um darüber
zu berichten. In bestimmten Fällen macht Ferber eine
"Schlaf-Studie" des Kindes, was bedeutet, daß das
Kind die Nacht verdrahtet im Schlaflabor verbringt.
Ich traf
Ferber im frühen April an einem Freitag, der einer
der Tage ist, an denen er nicht in der klinischen
Praxis ist, um seine Patienten in den Laboren zu sehen.
Ein schlafendes Kind mit dunklen Ringen unter den
Augen war in einem der drei Schlafräume. Außerhalb
des Labors zog eine Mutter einen Wagen, in dem ein
6jähriges Kind lag, ein großer Nuckel steckte in seinem
Mund.
Dr. Ferber
ist ein kränklicher, sanft sprechender Mann, mit einem
weißen Bart im freud'schen Stil, der ihn älter als
55 Jahre aussehen läßt. Seine Lesebrille hängt an
einem geflochtenen Band um seinen Nacken. Er ist kaum
so groß, wie er schlaflosen Eltern in ihrer Vorstellung
erscheint. Er führte mich umher, demonstrierte mir,
wie er in einem Raum, durch stufenweise Verstellung
von Lichtbänken, Tag und Nacht simulieren kann. Währenddessen
gab es eine gewisse Frische in Dr. Ferbers Art; eine
Spur davon, daß er feste Terminpläne für sich selbst
mag ("Ich kann absolut nicht hier sein, nach 6:00",
sagte er mir, als wir Pläne für meinen Besuch machten.),
da war nichts an ihm, das sadistisch wirkte.
Ferber
ist in Kinderheilkunde ausgebildet und hatte zuerst
kein spezielles Interesse am Schlaf. In der medizinischen
Fakultät leitete er ein Forschungsprojekt über den
Biorhythmus von Mäusen, durch das sein Interesse an
Schlafrhythmen geweckt wurde. Und darauf lag das Hauptgewicht
seiner Karriere - der Umfang, in dem Schlaf wirklich
wie ein Uhrwerk funktioniert, oder ob er Gewohnheit
ist. Der Kern von Ferbers Methoden ist seine Theorie
von "Verbindungen". In seinem Buch benutzt er das
Beispiel des Kopfkissens. So wie ein Erwachsener zum
Einschlafen aus Gewohnheit sein Kissen braucht, und
wenn er aufwacht und sein Kissen nicht findet, nicht
mehr einschlafen kann bis er es gefunden hat; so braucht
das Baby etwas, dass es mit der Order zu Schlafen
in Verbindung bringen kann. Ob es die Brust oder das
elterliche Bett ist, es wird eben diese Verbindung
brauchen und nichts anderes wird funktionieren. Wenn
Eltern ihr Kind jedes Mal aus dem Bettchen nehmen,
wenn es schreit, wird es Schreien mit Trösten in Verbindung
bringen. Ferbers Theorie von Verbindungen ähnelt der,
des russischen Wissenschaftler Ivan Pavlov, der für
seine Arbeit über die konditionierten Reflexe bei
Hunden gewann, der aber auch Jahre damit verbrachte
ähnliche Theorien über den Schlaf zu testen, daß Schlaf
durch die Hemmung bestimmter Bereiche des zelebralen
Kortex verursacht wird, und daß diese Hemmung ein
konditionierter Reflex ist. Pavlovs Gedanken werden
von Kleitmann in "Sleep and Wakefulness [Schlaf und
Schlaflosigkeit]" kritisiert, und sie sind nicht länger
als Theorien zur Erklärung der Physiologie des Schlafs
akzeptiert. Aber Ferbers Einschlafhilfe ist eine Annäherung
an Pavlov - daß Kindern anerzogen werden kann zu schlafen,
genauso wie Hunden anerzogen werden kann, Speichel
zu produzieren sobald sie das Klingeln eines Glöckchens
hören - es scheint zu funktionieren.
Es hat
begonnen zu regnen und die Düsterkeit sickerte in
die Ecken des, wie ein ungerades Dreieck geformten,
Raums, in dem wir saßen. Ferber sagte, daß er in den
frühen 70ern ein Interesse daran entwickelte, sein
Wissen über Schlafrhythmen an Kindern anzuwenden,
als er frischgebackener Vater war. "Unsere beiden
Kinder waren bei uns im Zimmer, als sie Babies waren",
erzählte er mir, "wenn sie aufwachten, mußten sie
geschaukelt werden, damit sie wieder einschliefen.
Ich verstand nicht, warum sie aufwachten. Jetzt weiß
ich es - es lag daran, daß sie nicht wußten, wie sie
mit sich allein wieder einschlafen konnten." Langsam
wandte er eine grobe Version dessen an, was seine
berühmte Methode werden sollte; Ferber entwöhnte die
Kinder vom elterlichen Bett; sie waren die Original-Ferberisierten
Kinder.
Ferber
mag das Wort "ferberisert" nicht. "Es ist wie eine
Diät",, erzählte er mir, "Es läßt den Eindruck entstehen,
daß meine ganze Arbeit an einer Lösung, die für jedes
Schlafproblem von Kindern richtig ist, dem Zweck dient,
in den Charts nach oben zu kommen. Wenn Sie ein Schlafproblem
betrachten, müssen Sie alles in Betracht ziehen; das
Alter des Kindes, die Schlafsituation, die Eltern,
ob die Schlafzimmer nahe beieinander sind. Es gibt
Situationen, in denen dieses Diagramm funktioniert,
aber es funktioniert nicht für jeden. Wenn ich einen
Brief bekomme, in dem steht: 'Wir haben Ihre Technik
6 Wochen angewandt, aber er schreit immer noch jede
Nacht', denke ich 'das ist furchtbar'. Das ist sehr
grausam." Ich bekannte Dr. Ferber, daß wir mit unserem
Baby schliefen. "Wir bringen ihn in unser Bett, oder
meine Frau stillt ihn in den Schlaf und legt ihn dann
runter - so oder so, er schläft fast nie allein ein.
Und ich bin besorgt, daß es ihm zur Gewohnheit wird.
..." Ich ließ mein Schuldbewußtsein hinter mir.
Dr. Ferbers
Stimme versicherte: "Gut, einige Sachen könnten geschehen.
Er könnte sich bis zum 6. Monat damit zufrieden geben
und anfangen besser zu schlafen. Dann haben Sie kein
Problem, wenn Sie glücklich sind mit dem Co-Schlafen.
Oder seine Probleme könnten fortbestehen, und je länger
er sie hat, um so härter wird es, sie zu überwinden.
Auf jeden Fall ist er immer noch jung genug, so daß
Sie etwas Freiheit zum Entscheiden haben, was Sie
tun möchten. Weil beides - Co-Schlafen oder ihn in
sein eigens Bettchen legen - noch funktioniert."
"Aber es
steht hier in ihrem Buch ...", ich las ihm zwei Sätze
vor, die ich meiner Frau während eines '2:00-Uhr-morgens-Sowdown'
vorlas: "Obgleich es angemessen sein kann, Ihr Kind
ein oder zwei Nächte mit zu sich ins Bett zu nehmen,
wenn es krank oder etwas verstört ist, ist das aber
in den meisten Fällen keine gute Idee." Und: "Allein
schlafen ist ein wichtiger Teil seines Lernens, angstfrei
von Ihnen getrennt zu sein und sich als unabhängige
Einzelperson zu sehen."
"Ich wünschte,
ich hätte solche Sätze nicht geschrieben", antwortete
Ferber. "Das kommt aus mancher der existierenden Literatur.
Es ist eine leere Aussage, die eben nicht richtig
ist. Es gibt vielerlei Beispiele des Co-Schlafens,
wo es nur gut ging. Mein jetziges Gefühl sagt mir,
daß Kinder mit oder ohne ihre Eltern schlafen können.
Was wirklich wichtig ist, ist daß die Eltern es so
handhaben, wie sie es möchten."
Zurück
am Logan Flughafen rief ich von einer Telefonzelle
aus zu Hause an.
"Rate mal. Ferber widerruft."
"Er widerruft?"
"Er sagte, es täte ihm leid, daß er je jene Worte
über das Co-Schlafen schrieb - und das mit der Unabhängigkeit
der Kinder."
"Wirklich? Wow."
Ich dachte,
meine letzte Verteidigungslinie sei gefallen und wir
würden auf ewig mit dem Baby schlafen. Sobald aber
meine Frau verstanden hatte, daß Ferber ihr nicht
sagte, daß sie nicht mit dem Baby zu schlafen hat,
interessierte es sie mehr, was er zu sagen hatte.
In der folgenden Woche fragte sie mich, wo das Ferberbuch
ist und nicht lange danach probierten wir, eine modifizierte
Version des Diagramms - und scheiterten kläglich.
Es zeigte sich, daß nicht jedes Kind "ferberisierbar"
ist: wie Ferber es selbst auf den Punkt brachte, manche
schreien einfach weiter. Und manche Eltern sind irgendwie
nicht "ferberisierbar": sie können es nicht ertragen,
ihr Baby schreien zu hören. Als wir die 35-Minutenmarke
erreichten, heulte er sich noch immer die Augen aus
dem Kopf und wir waren einfach am Ende - wir gaben
auf. Vielleicht war es zu spät zum Umkehren, er hatte
jetzt 6 Monate bei uns geschlafen, und wir hatten
uns alle an die Bedingungen gewöhnt. Was wäre gewesen,
wenn wir's früher versucht hätten? In jedem Fall funktionierte
es nicht und keines der Bücher, Ferbers eingeschlossen,
sprach davon, was als nächstes zu tun wäre.
Wir konnten
die "polyphasischen" Gewohnheiten unseres Kleinen
nicht ändern, es stellte sich die Frage: Können wir
unsere ändern? Wie viel Schlaf brauchen Erwachsene
wirklich und in welcher Form? Ich fragte Dr. Neil
Kavey, den Direktor des Schlaf-Störung-Zentrums der
Columbia-Presbyterianer, ob es für einen Erwachsenen
möglich ist, seine innere Uhr an die innere Uhr eines
Babys anzupassen - sich von einem Einphasen-Schläfer
sich zum Mehrphasen-Schläfer zu ändern. Kavey sagte,
daß er es nicht raten würde, aber er weiß von einem
ähnlichen Zustand, den er das "Writer's Syndrom [Autoren-Syndrom]"
nannte. Als Schlafarzt in Manhattan sieht er das oft.
"Junge Leute kommen in die Stadt, um Artisten, Autoren
oder was auch immer für kreative Typen zu werden.
Weil sie keine festen Terminpläne haben, neigen sie
dazu sehr lang wach zu bleiben oder die ganze Nacht
lang und schlafen dann über den ganzen Tag. Sie tun
das für so lange, daß sie wirklich ihre etwaige Uhr
zurücksetzen. Aber selbstverständlich ist es nicht
einfach, es als Künstler zu schaffen und viele schaffen
es nicht, stellenweise müssen sie Tagesjobs annehmen.
Aber nach all den Jahren des nächtlichen Wachseins
ist ihr innerer Taktgeber verschoben und sie können
tagsüber nicht mehr wachbleiben. Folglich, 'Writer's
Syndrom'." Also verbrachte ich etwas Zeit mit neueren
veröffentlichten Büchern von Schlafforschern, zusätzlich
zu Jouvets und Dements Büchern, "Dreaming Souls [Träumende
Seelen]" von Owen Flanagan, einem Professor an der
Duke Universität, und "The Enchanted World of Sleep
[die verzauberte Welt des Schlafs]" von Peretz Lavie.
Das Studium des Schlafs, eine Synthese aus Neurologie,
Psychologie, Physiologie und generellen Praktiken,
scheint Wissenschaftler zu literarischen Verbiegungen
zu verleiten; möglicherweise weil für Schlafforscher
ein neuer Durchbruch im Schlaflabor ein ebensolcher
Gewinn ist, wie für einen Dichter das Talent für Metaphern.
Einige der überzeugendsten neuen Theorien über Schlaf
und Träume sind genauso schön, wie Francis Cricks
und Graeme Mitchisons Vorstellung, "daß wir im Auftrag
des Vergessens träumen", daß der Zweck des Träumens
der ist, die sensorisch aufgenommenen Teile, die nicht
nützlich sind, herauszuwaschen; und das Material zu
speichern, das nützlich ist. Ohne diese notwendige
'Plattenwartung', theoretisieren sie, würden uns alle
gelegentlichen Informationen, die in unsere Köpfe
fliegen, verrückt machen.
In "The
Interpretation of Dreams [Die Deutung von Träumen]"
1900 veröffentlicht, beansprucht Freud Schlaf für
das Studium von Träumen, und Träume für die Psychoanalyse,
die Neurologen und die Physiologen ausklammernd. Die
mechanische Studie des Schlafs - Schlaf an den Augenbewegungen
und den elektrischen Impulsen des Gehirns gemessen
- wurde bis 1953 nicht revidiert, bis die REM-Phase
des Schlafs in Chicago von Nathaniel Kleitmann und
seinem Hochschulabsolventen Eugene Aserinsky - der
es bei seinem 8jährigen Sohn beobachtete - entdeckt
wurde. Diese Entdeckung und Dements Verknüpfung zwischen
REM [schnelle Augenbewegung]-Schlaf und Träumen führte
zu einem 30jährigen außerordentlichen Interesse auf
diesem Gebiet. Jouvet schrieb "Das vollständige Gebiet
der Traumfunktion, abgesehen von einigen schützenden
Tätigkeiten, verläßt langsam die Couch des Psychoanalytikers
um das Labor des Neurobiologen zu betreten."
In den
60ern wurde die " Monoamin Theorie" entwickelt. Dieser
Theorie zufolge, ist es die Aufgabe des Schlafs, Neurotransmitter
im Gehirn zu ergänzen - diese Chemikalien wie Acetylcholin
und Serotonin, werden im Wachbewußtsein verbraucht.
Jouvet isolierte den Teil des Gehirns, der Schlaf
auslöst; und es wurde geglaubt, daß es lediglich eine
Frage der Zeit sei, bis die Hauptveranlassungen und
-hemmnisse für den REM-Schlaf im Labor synthetisiert
werden würden.
Wie auch
immer, im Verlauf der Jahre wurden der Suppe andere
Neurotransmitter hinzugefügt und die " Monoamin Theorie"
wurde verdichtet. Heute wird der Gedanke an eine komplizierte
Mixtur von Neurotransmittern in unserem nächtlichen
Leben miteinbezogen; und Schlafwissenschaftler kämpfen
noch immer darum zu verstehen, wie alle zusammenarbeiten.
"Jetzt haben wir dutzende", schreibt Jouvet, "aber
dutzende zu haben ist, wie keine zu haben." Mit einer
gewissen Ende-des-Jahrhunderts-Erschöpfung nennt er
die frühe Aufregung über Serotonin einen "zweiten
Einschätzungsroman". Zur selben Zeit wurde die Finanzierung
von der Grundlagenforschung der Schlafwissenschaft
zur "Schlafmedizin" verschoben, die sich mit den mehr
praktischen Schlafproblemen, wie Insomanie [Schlaflosigkeit],
Narkolepsie [hirnorganisch bedingte Bewusstlosigkeit]
und Schlafapnoen [Schlafatempausen] befaßt. Der Großteil
der Finanzierung dieser Forschung stammt von Betäubungsmittelherstellern;
Schlafmedikamente werden in den USA häufiger als jede
andere Form der Verordnungsdrogen verschrieben. Schlafzentren,
die Medikamente verschreiben, wie Dr. Kaveys Klinik
in Columbia, sind im ganzen Land entstanden.
Für viele
Jahre wurde Schlaf als das Gegenteil von Schlaflosigkeit
verstanden - den Rest können Sie sich denken. Aber
die vorherrschende Tendenz in den neurologischen Studien
des Gehirn beim Schlafen geht in Richtung einer 'aktiver-Verstand-Theorie'
des Schlafs. Im Schlaf gibt es nur eine 20%ige Abnahme
der neuralen Aktivität des Wachseins. Manche Neuronen
ruhen - speziell in den Teilen des Gehirns, die für
Aufmerksamkeit und Erinnerung zuständig sind - aber
manche fangen erst richtig an, sind so beschäftigt
als wären wir wach. J. Allan Hobson schrieb in "The
Dreaming Brain [Das träumende Gehirn]" (1988), "Während
des Schlafs werden ebensoviele Neuronen eingeschaltet
wie ausgeschaltet, und fast alle Zellen im Gehirn
sind während des REM-Schlafs spektakulär aktiv." Er
schließt daraus, daß "sich das Gehirn mit sich selbst
unterhält" wenn wir schlafen. "Sehr viel mehr als
eine Erholung vom Verschleiß und den Tränen von heute,
der Schlaf heute Nacht könnte eine aktive und dynamische
Vorbereitung auf die Herausforderungen von morgen
sein ."
In einem
Artikel, der im Journal Neurowissenschaft 1992 veröffentlicht
wurde, fassen zwei Professoren der Neurologie, R.
R. Llinás and D. Paré, den Stand der Erforschung von
Schlaf und Träumen zusammen, schrieben daß "Schlaflosigkeit
nichts anderes ist als ein traumähnlicher Zustand,
von Zwängen zu spezifischen sensorischen Eingaben
geformt." Schlaflosigkeit, so fügen sie hinzu, ist
ein "Element in einer Kategorie der wesentlichen Gehirnfunktionen,
von denen REM-Schlaf ein anderes Element ist." Der
einzige Unterschied zwischen wachen und schlafen ist,
daß ersteres Eingaben von den Sinnen empfängt und
letzteres von den Neuronen. Subjektivität, schrieben
Llinás und Paré, taucht aus "dem Dialog zwischen dem
Thalamus und der Rinde heraus" auf - zwei Areale des
Gehirns, die - aus Studien zu schließen - während
des Schlafs kommunizieren. "Ich denke, also bin ich"
sollte wirklich heißen "Ich träume, also bin ich",
denn Descartes' berühmte Definition des Bewußtseins
kam zu ihm in einem Traum.
Um den
8. Monat des gemeinsamen Schlafens mit dem Baby herum,
begannen sich meine Schlafmuster zu verändern. Der
Wendepunkt war die erste Nacht mit meinem Sohn allein;
seine Mutter war weg und es waren nur noch wir beide
zusammen. Es war absolut grauenvoll - er schrie die
meiste Zeit der Nacht, nach den Brüsten, die nicht
da waren stöbernd; bis er schließlich auf meinem Brustkorb
einschlief und auch ich wegdöste. Nach dieser Nacht
war ich selbst nicht mehr wegen seiner nächtlichen
Zeit geängstigt, und die Situation wurde besser als
sie vorher je war. Ich werde nicht so weit gehen zu
sagen, dass wir "harmonisierten", aber jetzt finde
ich, daß ich die Ruhe die ich brauche bekomme, auch
wenn ich ein oder zweimal nachts aufwache. Es ist
eine andere Art des Schlafens, die ich jetzt pflege,
aber ich bin nicht so müde wie in den früheren Monaten
und ich träume wesentlich mehr.
Möglicherweise
ist die amerikanische Verehrung für eine Nacht ununterbrochenen
Schlafs ein anderes kulturell festgelegtes Vorurteil,
das sich als Wissenschaft ausgibt. Hier, wenn Sie
wach sind, sollten Sie mit der drahtlosen Kommunikation
beschäftigt sein. Schlaf ist die einzige private Zeit,
die Sie noch haben, und es ist nicht verwunderlich,
daß die Leute dazu neigen daraus einen Fetisch zu
machen.
Ich habe
das Schlafen ohne das Baby genossen, in diesen wenigen
Nächten, als ich weg war von zuhaus. Allein schlafen
in einem Hotelbett, ich hatte eine Art Ruhe, die jetzt
wie eine entfernte Erinnerung erscheint. Ich bin auch
voller Hoffnung, daß unser Sohn eines Tages wünscht,
in einem eigenen Bett zu schlafen; sogar Ferber gibt
zu, daß dies manchmal ohne das Eingreifen der Eltern
geschieht.
Aber was
ich vermissen werde, ist der Anblick des Gesichtes
meines Sohns, wie er gerade aufwacht. Erst kommt dieser
Moment des Ausbalancierens zwischen Schlaf und Schlaflosigkeit,
wenn die nächtlichen Visionen sich von seinen Augen
verflüchtigen (weiß er, daß er geträumt hat?), aber
schon nichts als wirkliche Schlaflosigkeit zeigt.
Und dann ist da ein Lächeln, ein großes leuchtendes
Grinsen von nicht mehr hervorgerufen als dem bloßen
Vorhandensein eines anderen Tages. Es ist bemerkenswert,
eine Person jeden Tag mit einem großen Lächeln auf
dem Gesicht aufzuwachen zu sehen - selbst wenn es
zu früh morgens ist. Ich versuche herauszukriegen,
wie er das macht.
© by John
Seabrook
Mit freundlicher
Genehmigung von SIDS
Berlin
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