von
Ulrike Schmidleithner
in
der Mailingliste 'wirstillen'
Ameisen
sind klein, weil wir groß sind.
Elefanten sind groß, weil wir klein sind.
Löwenzahn gehört zum Unkraut, sobald wir
einen Garten haben, wenn wir jedoch gerne Wildkräuter
essen, ist er ein wertvolles Gemüse.
Babys haben Schlafstörungen.
Tiere sind dumm.
Als man 10 Jahre alt war, war ein 30-40jähriger
alt, heute, wo man selbst 30-40 Jahre alt ist, kommt
man sich gar nicht alt vor.
Wir messen
alles nach unserem Maßstab, das ganze Universum
dreht sich um uns Erwachsene. Alles, aber auch alles,
was nicht gleich ist wie wir, wird nach diesem Maßstab
beurteilt.
Steigen
wir doch einmal von unserem Podest herunter und akzeptieren
allen Anderen (auch anderen Erwachsenen, die nicht
in jeder Hinsicht unserer Meinung sind, auch andere
Rassen usw.) so wie sie sind!
Daß
Babys am Tag öfters schlafen, je kleiner desto
öfter, wird von allen (Kinderarzt, Tanten, Omas,
Nachbarinnen, Freundinnen, Arbeitskollegen...) als
völlig normal hingenommen, weil sie ja Babys
sind und keine Erwachsenen (und weil es den Erwachsenen
in den Kram paßt). Nachts hingegen wird plötzlich
von ihnen verlangt, wie Erwachsene zu schlafen. Babys
muss man täglich, jahrelang, waschen und umziehen,
und schickt sie nicht alleine unter die Dusche oder
läßt sie nackt und legt die Kleider neben
sie, weil man sie ja sonst verwöhnen würde
und sie sich sonst nie alleine duschen oder anziehen
werden. Wehe jedoch, man tröstet sie, wenn sie
schreien, dann heißt es, man lasse sich manipulieren.
Dabei haben Babys genauso wie sie die Wärme der
Kleidung brauchen, das Bedürfnis nach symbolischer
emotioneller Bekleidung, nach einem Halt, einem Beweis
für ihre Existenz, nach etwas Konkretem, an dem
sie sich festhalten können.
Wenn ich
Lorenzo von der Schule abhole, nimmt er immer meine
Hand und ich genieße dieses wunderschöne
Gefühl, das mir diese kleine warme Hand gibt,
und denke nicht, daß er, wenn ich ihm das nicht
abgewöhne, mit mir Hand in Hand gehen wird, wenn
er einmal auf der Uni sein wird.
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