von Aletha
Solter, Ph.D.
Mit freundlicher Genehmigung des
Aware
Parenting Institute
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Dieses
Konzept ist ausführlich dargestellt in Aletha
Solters Büchern:
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Anmerkung: Der Ratschlag in diesem Artikel sollte nicht
als Ersatz für eine medizinische Meinung und Behandlung
gesehen werden. Wenn Krankheit oder physischer Schmerz
verdächtig sind, immer den Arzt aufsuchen.
Ein
weinendes Baby veranlasst viele Eltern zu grosser
Beunruhigung. Wenn dein Baby weint und du nicht weisst
warum, können Gefühle der Angst, Hilflosigkeit, Frustration,
Unfähigkeit und sogar Zorn und Feindseligkeit aufkommen.
Es gibt viele Ratschläge über weinende Babys, aber
die meisten von ihnen vernachlässigen es, die wirklichen
Gründe für das Weinen zu erklären, und sie bieten
Vorschläge an, welche der emotionalen Entwicklung
deines Babys schaden.
Es gibt zwei Gründe, warum Babys weinen. Ein Grund
ist, ein Bedürfnis oder Unbehagen mitzuteilen. Vielleicht
sind sie hungrig, gelangweilt, ihnen ist kalt, oder
sie wollen einfach nur gehalten werden. Manchmal ist
es schwer herauszufinden, was sie brauchen. Die Aufgabe
der Eltern und Betreuer ist es zu versuchen, die Bedürfnisse
des Babys so schnell und sorgfältig wie möglich zu
erfüllen. Babys können nicht "verwöhnt" werden. Es
ist unmöglich, ihnen zu viel Liebe, Aufmerksamkeit
und körperlichen Kontakt zu geben.
Der zweite Grund des Weinens im Säuglingsalter wird
viel weniger verstanden. Viele Babys weinen, obwohl
alle Grundbedürfnisse erfüllt wurden und sogar während
sie gehalten werden. Diese Art des Weinens, welches
im Alter von sechs Wochen am intensivsten vorkommt,
wird als "Kolik" oder "gereiztes Weinen" bezeichnet.
Es kann einige Stunden am Tag dauern. Die üblichen
Erklärungen für dieses Weinen haben sich auf mögliche
körperliche Probleme wie Blähungen oder Verdauungsstörungen
konzentriert. Jedoch haben Untersuchungen gezeigt,
dass Babys mit "Kolik" meist eine normale Verdauung
haben und sich gewöhnlich bester Gesundheit erfreuen.
Daher ist es notwendig, die möglichen emotionale Gründe
des Weinens zu berücksichtigen.
Säuglinge sind extrem verwundbar, und sie haben sehr
grossen emotionalen Schmerz, der sich aus einer Ansammlung
von stressigen Erlebnissen ergibt. Schmerz kann durch
eine traumatische Geburt oder Schwierigkeiten nach
der Geburt verursacht werden. Babys erfahren Verwirrung,
während sie versuchen, die Welt zu verstehen, und
sie sind schnell eingeschüchtert und überreizt. Ausserdem
fühlen sie sich frustriert, wenn sie versuchen, sich
mitzuteilen und neue Fertigkeiten zu erlernen. All
dies hat den emotionalen Schmerz, der im Körper gesammelt
wird, zur Folge.
Glücklicherweise werden Babys mit einem Reparaturwerkzeug
ausgestattet und können die Stressauswirkungen durch
den natürlichen Heilmechanismus des Weinens überwältigen.
Die Forschung hat gezeigt, dass Leute jeder Altersgruppe
aus dem Weinen Nutzen ziehen und dass Tränen helfen
bei Stress, das chemische Gleichgewicht des Körpers
wiederherzustellen. Ein Säugling, der einige Tage
in einem Inkubator ohne menschlichen Kontakt isoliert
wurde, muss mehrere Monate lang viele Stunden weinen
und wüten, um sich vom emotionalen Schmerz, der durch
ein so schreckliches und verwirrendes Erlebnis verursacht
wurde, zu befreien. Wenn ein drei Monate alter Säugling
bei einem Familientreffen unter vielen unbekannten
Leuten herumgereicht wurde, kann dies zur Folge haben,
dass er nachher sehr lange weinen muss. Ein sechs
Monate alter Säugling, der den ganzen Tag versucht
hat, vorwärts zu kriechen, und es doch nur rückwärts
schaffte, braucht wahrscheinlich am Ende des Tages,
um seine Frustrationen abzubauen, das Weinen und Wüten,
bevor er friedlich in den Schlaf sinken kann. Bei
diesen Beispielen ist das Weinen keine Verletzung;
sondern es ist der Prozess der Heilung.
Was können Eltern tun? Zuerst ist es wichtig zu überprüfen,
ob unmittelbare Bedürfnisse und Unbehagen wie zum
Beispiel Hunger oder Kälte vorliegen. Aber wenn das
Baby, nachdem du seine Grundbedürfnisse erfüllt hast,
noch immer unruhig ist, ist es angemessen, das Baby
einfach liebevoll zu halten und ihm das Weiterweinen
zu erlauben. Babys brauchen Nähe und Aufmerksamkeit,
wenn sie weinen. Ein Baby sollte nie beim Weinen alleingelassen
werden. Selbst wenn du dich beim Halten deines weinenden
Babys nutzlos fühlst, versorgst du in Wirklichkeit
dein Baby mit der nötigen emotionalen Unterstützung,
während es sich auf diesem Weg von seinem Stress entlastet.
Dein Baby lehnt dich nicht ab, wenn es weint. Es fühlt
sich vielmehr sicher genug, dir seine Gefühle zu zeigen,
genauso wie wenn du in Tränen ausbrichst, wenn ein
vertrauter Freund seinen Arm um dich legt und du zugibst,
dass du einen schweren Tag hattest. Eltern, die ihre
Babys halten und ihnen erlauben, sich auf diesem Weg
auszudrücken, bemerken gewöhnlich, dass ihre Babys
nach dem Weinanfall entspannt und zufrieden sind und
in der Nacht besser schlafen.
Warum ist es so schwierig, ein weinendes Baby zu halten
und das Weinen zu akzeptieren? Vielleicht weil nur
wenige Menschen nach Bedarf weinen durften, als sie
klein waren. Deine Eltern haben vielleicht versucht,
dich vom Weinen abzuhalten, als du ein Baby warst.
Vielleicht gaben sie dir einen Schnuller oder fütterten,
schaukelten dich oder haben dich jedesmal, wenn du
weintest, gewiegt, in der Annahme, dass du diese Ablenkungen
in diesem Moment brauchtest. Vielleicht versuchten
sie, dich mit Spielzeug, Musik oder Spielen abzulenken,
obwohl du eigentlich nur ihre ungeteilte Aufmerksamkeit
und Liebe gebraucht hättest, damit du dein Weinen
fortsetzen konntest. Sie haben vielleicht vom Doktor
Beruhigungsmittel verlangt, um dich zu besänftigen,
oder sie haben dich beim Weinen alleingelassen, weil
sie dachten, dass sie jetzt nichts für dich tun könnten.
Vielleicht haben sie dich sogar geschlagen oder angeschrien
vor lauter Frustration und Verzweiflung. Als du älter
wurdest, hast du vielleicht mehr Ablenkungen oder
Strafe von deinen Eltern oder Lehrern erfahren, weil
sie sich ärgerten über deine Versuche, dich von deinen
Gefühlen durch das Weinen zu entlasten.
Deine Eltern dürfen nicht getadelt werden, denn sie
hatten einfach keine Information über die Wichtigkeit
des Weinens. Jedoch wegen der Prägung in deiner Kindheit
findest du es vielleicht schwer, die Notwendigkeit
des Weinens bei deinen eigenen Kindern zu erkennen.
Du fühlst dich vielleicht unbewusst gedrängt, deine
Kinder auf dem gleichen Weg wie deine Eltern vom Weinen
abzuhalten. Es braucht Zeit, um ein Leben der Einprägung
rückgängig zu machen. Vielleicht solltest du deinen
eigenen Tränen einmal freien Lauf lassen. Das wäre
mein Rat. Wenn du jemanden findest, der dir zuhört,
um so besser. Du wirst dich nachher viel besser fühlen,
und du wirst das Weinen deines Babys vielleicht ein
bisschen akzeptabler finden. Wenn du fühlst, dass
du frustriert und erschöpft wirst, weil dein Baby
viel weint, verdienst du jede Hilfe und Unterstützung,
die du finden kannst.
Copyright
© 1996 by Aletha Solter
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