Ja, Ihr
Lieben, Ihr habt richtig gelesen: ich bin frustriert!
Nicht, weil mein Baby nicht das macht, was ich mir
von ihm wünschen würde. Auch nicht, weil
mein Leben nicht so läuft, wie ich es mir früher
mal vorgestellt habe oder weil ich mich in meinem
Leben irgendwie eingeengt fühle. Nein, ich
bin frustriert, weil der Erziehungsstil, den ich/wir
(schliesslich hat mein Mann ja auch einen gewissen
Anteil daran!) anwenden, so oft als falsch, schädlich,
zeitaufwändig angesehen wird. Und das einfach
nur, weil er nicht der "Norm" entspricht!
Ich persönlich
finde meinen Erziehungsstil nicht falscher, schädlicher
oder zeitaufwändiger als jeden anderen. Nein,
das stimmt so nicht ganz. Er IST zeitaufwändiger.
Nicht aus sich selbst heraus, nein, das auf keinen
Fall. Meine Umwelt macht ihn zeitaufwändig,
da sie mich immer wieder zu Erklärungen und
Erläuterungen, wenn nicht sogar Rechtfertigungen
drängt.
Ihr wollt
Beispiele? Here we go:
Niemand
fragt eine Mutter, warum ihr 6 Monate altes Baby
noch die Flasche kriegt. Dagegen wird schon nach
wenigen Wochen jede stillende Mutter skeptisch,
zweifelnd, fragend angeschaut, nur weil ihr Baby
genau die Nahrung bekommt, die Mutter Natur für
es vorgesehen hat. Ich rechtfertige mich nicht
mehr dafür (über diese Stufe bin ich
hinaus!), ich versuche zu erklären und aufzuklären.
Und das kostet mich Zeit!
Auch
eine Mutter mit Kind im Kinderwagen wird nicht
nach ihren Gründen gefragt oder darauf hingewiesen,
dass das nicht gesund sein kann. Gehe ich dagegen
mit meiner Tochter im Tragetuch spazieren oder
einkaufen, so ernte ich (unter anderem) skeptische,
zweifelnde, fragende Blicke. Ich fühle mich
dann natürlich bemüßigt, zu erklären
und aufzuklären, was wiederum Zeit kostet!
"Schläft
sie schon durch?" ist immer wieder eine der
ersten Fragen, die an mich gestellt werden. "Nein",
sage ich daraufhin, "sie schläft in
meinem Bett und trinkt nachts, wann immer sie
Hunger oder Durst hat oder Zuwendung braucht,
an der Brust!" Ob eine Mutter, deren Kind
im eigenen Zimmer und/oder im eigenen Bett schläft,
auch nur halb so schräg angeschaut würde?
Die Reaktion meines Schwiegervaters sagt alles:
"Na, das ist aber nicht gut!" Ein kurzes:
"Warum?" nahm ihm schon die Argumentation,
im allgemeinen will ich jedoch anregen zum "Mit-Schlafen"
und die Unterhaltung wird länger. Auch hier
wieder: Zeit!
Die
auf-/anregendsten Diskussionen hatte ich bisher
zum Thema "windellose Erziehung". Alles
andere, Stillen, Tragen und Familienbett, ist
ja wenigstens als (verpönte) Möglichkeiten
bekannt, aber ein Baby im zarten Alter von 6 Wochen
oder noch früher schon auf die Toilette zu
"setzen", nein, also sowas kann doch
nun wirklich nicht gut sein. Meine Argumentation
ist inzwischen recht überzeugend, nun ja,
zumindest in den meisten Fällen (Eine Verkäuferin
in einem Babyladen war nicht annähernd bereit,
mir auch nur zuzuhören! Naja, es gibt andere
Läden, die dasselbe Sortiment haben! *grins*)
und das beste Beispiel ist meine Tochter. Doch
und gerade bei diesem Thema ist der Zeitaufwand
zum Diskutieren nicht unwesentlich!
Alles
in allem finde ich meinen Erziehungsstil nicht aufwändig.
"Normgerechtes" Erziehen wäre sicherlich
nach aussen hin einfacher, aber keineswegs normaler.
Ein natürliches Eingehen auf die Bedürfnisse
eines Menschen, der zu 100% von mir abhängig
ist, ist für mich das einfachste und selbstverständlichste
auf der Welt. Umso mehr wundert es mich, dass diese
Art zu leben, zu denken und zu handeln einen eigenen
Begriff braucht. Nein, eigentlich gibt es ja sogar
zwei Begriffe für diese Auffassung von Erziehung,
die einander ergänzen und gar nicht so unähnlich
sind in ihrer Grundaussage:
Attachment
Parenting auf der einen Seite: ein Begriff,
den Dr. Sears geprägt hat und das
Kontinuum-Konzept
auf der anderen Seite, die Lebensauffassung Jean
Liedloffs.
Unter
diesen beiden Begriffen finden sich unzählige
Seiten mit Informationen in englischer Sprache und
auch schon ein wenig in deutsch. Ich möchte
auf dieser Seite so viele Informationen wie möglich
in deutsch zur Verfügung stellen und auch gerne
weitere Links, Anregungen und Hinweise geben. Dies
ist natürlich nicht ganz einfach und tatsächlich
auch sehr zeitaufwändig, vor allem, wenn man
nebenbei auch noch einige andere Dinge zu tun hat!
Darum bin ich auf Eure Hilfe
angewiesen und für jede Hilfe auch jederzeit
dankbar. Anregungen, Informationen, neue Links,
Tips und so weiter (gerne auch Korrekturen und Vorschläge
für die Seite) könnt Ihr mir per Mail
senden. Ansonsten wünsche ich Euch noch
viel Spass auf der Seite. Schaut immer mal wieder
vorbei, so eine Seite ist ja nie fertig! Oder noch
einfacher, tragt Euch für den (unregelmässig
erscheinenden) Newsletter ein, dann wisst ihr immer
Bescheid, wann es etwas Neues auf der Seite gibt!
Liebe
Grüße, Bianka (Webmaster)