Als
mich Bianka gebeten hat, über Attachment Parenting
aus meiner, also der Sicht des Vaters zu schreiben,
dachte ich nicht im Traum daran, wie schwer es
ist, über etwas zu schreiben, was für uns zur
Selbstverständlichkeit geworden ist. (Wobei die
Frage berechtigt ist, inwieweit jemals eine andere
Sicht der Dinge für uns beide bestanden hat. Darüber
ließe sich mit Sicherheit eine ganze Doktorarbeit
füllen, deshalb lasse ich diesen Aspekt hier einfach
weg.)
Sicher,
jeder kennt die Schlagwörter, die im Zusammenhang
mit Attachment Parenting in der Regel fallen:
Tragen, Familienbett, Stillen,...die Liste könnte
beliebig fortgesetzt werden. Die alles entscheidende
Frage ist jedoch nicht, was alles dazugehört,
sondern was dahinter steht und insbesondere ob
man sich selbst auch damit identifiziert.
Es
ist nicht eine Frage des Könnens - wie bei vielen
anderen Dingen auch - sondern vielmehr des Wollens,
wenn es darum geht, seinen eigenen Weg zu beschreiten.
Ich muss allerdings zugeben, dass uns das Wollen
manchmal recht schwer gemacht wird. Sich ständig
und überall für die Art der Erziehung rechtfertigen
zu müssen, macht auf die Dauer mürbe. Deshalb
bin ich auch ganz froh darum, dass unsere Eltern
weitestgehend hinter uns stehen. Doch lassen Sie
sich dadurch nicht entmutigen, dass Sie so vielen
"Engstirnigen" begegnen, es gibt da draußen mehr
Gleichgesinnte, als sie vielleicht glauben.
Doch
alles von Anfang an:
Für jeden, der in die Situation kommt, Vater oder
Mutter zu werden, stellt sich irgendwann die Frage:
Wie erziehe ich mein Kind? Man macht sich seine
Gedanken über Normen und Werte, eigene und fremde
Ideale und nicht zuletzt auch über die Erziehungsmethode.
Auf den ersten Blick scheint die Sache sehr einfach.
Dutzende, ach was sage ich, Hunderte Bücher wurden
und werden über die unterschiedlichen Erziehungsformen
und -stile geschrieben. Das einzige Problem scheint
also die Auswahl eines eigenen Favoriten zu sein.
Doch weit gefehlt. Jetzt fangen die Probleme ja
erst an. Bei der einen Variante wird zu sehr Wert
auf Einigkeit gelegt, bei der nächsten zuwenig,
bei der übernächsten wird sie ganz vernachlässigt.
Das Ende vom Lied: Letztlich muss doch jeder selbst
seinen eigenen Stil entwickeln.
Und
hier liegt bereits ein elementarer Fehler vor:
Viele gehen nicht danach, was für die kleinen,
neuen Erdenbürger das Beste ist, sondern was für
sie das bequemste scheint. Warum muss man nach
unflexiblen Regeln und Abläufen erziehen? Weiß
das Kind nicht selbst am besten, wann es welche
Bedürfnisse hat. Warum dann von vornherein die
unpersönlichsten, ja fast fremdelnden Formen des
Kontaktes mit den Kindern wählen? Und hier sind
wir dann wieder bei den Schlagwörtern:
- Tragen:
Warum werden die Kinder in Kinderwägen gelegt,
weit weg von den Eltern, deren Körperwärme, deren
Geruch? Die Kinder werden deren früh genug überdrüssig.
Gerade in einer Zeit, wo unsere Kinder die ersten
Erfahrungen sammeln, vor der großen Welt da draußen
Angst haben, da entziehen wir ihnen das Beste,
das wir ihnen geben können? Entschuldigen Sie
bitte, wenn ich das für pervers halte.
- Familienbett:
Derselbe Sachverhalt, anderer Aspekt. Erinnern
Sie sich bitte daran, wie verwirrt und verängstigt
wir manchmal aus unseren Albträumen aufwachen.
Wie muss sich da ein Kind fühlen, das aufwacht
und das Atmen und die Bewegung der Eltern nicht
mehr wahrnimmt, weil es in einem eigenen Bett
schlafen muss?
- Stillen:
Warum wird den jungen Müttern heutzutage suggeriert,
dass langes Stillen - und als solches gilt (auch
bei vielen Ärzten!) das Stillen über den sechsten
Monat hinaus - nicht "normal" ist (Den Äußerungen
von Bianka bezüglich Normalität und Abnormalität
kann ich mich im übrigen nur anschließen!)? Es
geht nicht etwa darum, was für unsere Kinder oder
gar die stillende Mutter besser ist, sondern vielmehr
um das Überleben eines ganzen Industriezweiges!
Nun, ganz so ist es nicht, allerdings könnte man
als Außenstehender manchmal den Eindruck bekommen,
dass dem wirklich so ist. Doch zum eigentlich
entscheidenden: Warum geben wie unseren Kindern
denn "angepasste" Nahrung, wenn fast alle Mütter
- vorausgesetzt sie lassen sich von anfänglichen
Problemen nicht entmutigen - ihr Kind stillen
könnten?
Vieles
Vorgenannte unterliegt stark dem persönlichen
Umfeld jedes Einzelnen, eines jedoch nicht: die
eigene Einstellung gegenüber dem Kind. Warum sind
wir eigentlich so arrogant zu behaupten, besser
zu wissen, was für die Kinder wann und wie gut
ist? Lassen wir uns doch auf sie ein. Lernen mit
ihnen und vor allem von ihnen. Sicher, das ist
nicht der einfachste und schnellste Weg unsere
Kinder zu erziehen, vielleicht aber der erfolgreichere!
Voraussetzung dafür ist allerdings, ein wenig
mit den alten Ammenmärchen zu brechen. Dazu gehören
unter anderem die Behauptung, dass Kinder in der
frühen Kindheit ihren Harndrang nicht kontrollieren
können (um einen weiteren Bereich anzuschneiden).
Des weiteren kann man sich getrost von der Vorstellung
trennen, das Kinder so schnell wie möglich durchschlafen
müssen. Schließlich essen wir ja auch, wenn wir
Hunger haben und genauso ist es bei unseren Kindern,
mit dem einzigen Unterschied, dass mindestens
einer von uns Eltern mit aufstehen muss oder zumindest
wach wird.
Sie
fragen zum Ende dieser Zeilen sicherlich, ob ich
das glaube, was ich erzähle und an das glaube
was wir tun? Ja das tue ich, weit mehr als sich
manch einer vorzustellen vermag (Dieses Selbstbewusstsein
braucht man manchmal! ;-)). Und das wichtige ist
nicht, ob Sie mir das glauben, sondern ob mein
Kind spürt, dass es wirklich so ist.
Nino
Blavustyak, Vater von Katharina (*18.03.2001)